KUBA

Vom verblichenen Glanz Havannas bis in die tiefgrünen Wälder von Cienfuegos

Kuba ist weit mehr als nur Postkarten-Nostalgie.

Es ist der bröckelnde Putz kolonialer Fassaden, der schwere Duft von Tabak und ein Rhythmus, der dich bis in den Schlaf begleitet. Aber Kuba ist auch ein harter Schlag ins Gesicht. Ich habe noch in keinem anderen Land eine so bittere, allgegenwärtige Armut gesehen. Es ist eine Insel der extremen Brüche: Sie fordert dich mit ihrer nackten, analogen Mangelwirtschaft, raubt dir jede westliche Komfortzone und lässt dich im nächsten Moment vor einer unfassbar schönen, zeitlosen Naturkulisse völlig sprachlos zurück.

AUF EINEN BLICK

Der Blick durch die Windschutzscheibe eines 50er-Jahre-Oldtimers auf den Malecón. Rechts das Karibische Meer, links zerfallende Prachtbauten, in denen das pure Überleben regiert. Die Nostalgie, die wir als Touristen fotografieren, ist für die Menschen vor Ort der harte, vom Mangel diktierte Alltag.

Die Altstadt von Havanna bietet wunderschöne Architektur. In den Gassen abseits der touristischen Schauplätze blickt man in offene Türen direkt in die Wohnungen der Einheimischen. Oftmals sieht man nicht mehr als einen Plastikstuhl und eine Matratze auf. Hier und da erspäht man noch einen alten Röhrenfernseher. 

Die Straßen von Havanna sind rau, bunt und aufregend. An allen Ecken knattern Dieselmotoren. Autos kommen regelmäßig in Stocken und die Motorhauben fangen an zu rauchen. Je weiter man sich vom Stadtzentrum entfernt, desto schmerzhafter bekommt man den harten Alltag und die nackte Knappheit aller Güter mit – hier fehlt es an allem, selbst an einfachem Trinkwasser.

Salz in der Luft, eine einfache Hütte aus verwittertem Holz abseits der asphaltierten Straßen und Palmen, die sich im karibischen Wind biegen. Der Spaziergang durch die drückende Mittagshitze hat sich für dieses schöne Motiv mehr als gelohnt.

Kopfsteinpflaster und kräftige, koloniale Farben in den Gassen von Trinidad. Die pralle Blütenpracht der Bougainvillea klettert an den warmen Mauern hoch und fängt das tiefe Licht des Nachmittags perfekt ein.

Kuba ist laut, bunt und voller Energie: Der 1. Mai ist auch hier ein nationaler Feiertag, der von den Einheimischen mit vollem Stolz auf Ihr Land zelebriert wird. Was mich innerlich sehr beschäftigt hat: die unvorstellbare, materielle Armut erzeugt hier keine Bitterkeit, sondern eine fast trotzige Lebensfreude. 

Kuba nimmst du mit nach Hause. Es ist der warme Staub auf der Haut und das unvergleichliche Lebensgefühl der Menschen, das auch dann noch bleibt, wenn die SD-Karte längst voll ist.

Wenn die Sonne flach steht und das Land in ein warmes, goldenes Licht taucht. Ein weiter Blick über die Straße und die Natur, der den Kopf endlich leise werden lässt. Das eigentliche Ziel jeder Reise ist es, sich für einen Moment auf eine völlig andere Logik einzulassen.

Lust auf mehr?

@pauls.linsencurry